REGISSEUR WERNER BOOTE ÜBER…
… das Anliegen des Films
Ich habe viel über Teilbereiche zum Thema Kunststoff gelesen und zahlreiche Fernsehberichte gesehen, die immer wieder einzelne Aspekte aufgriffen. Gewundert hat mich allerdings, dass es keinen Film gibt, der all die Puzzleteile auf den Tisch legt und zusammenfügt. Mit PLASTIC PLANET wollte ich zeigen, wie umfassend dieses Problem ist und wie sehr es jeden von uns betrifft.

… seinen persönlicher Bezug
Mein Großvater hat in der deutschen Kunststoffindustrie gearbeitet. Er ist jedes Wochenende nach Wien gekommen und hat mir schöne Geschenke mitgebracht, die meistens aus Kunststoff waren. Ich war immer irrsinnig stolz auf diese Plastikmitbringsel, weil sie schön waren und tolle Funktionen hatten.

… über die Auswahl der Drehorte und Interviewpartner
Orte und Interviewpartner habe ich aus persönlichem Interesse ausgesucht. Nach langen Recherchen habe ich für mich entschieden, welche Wissenschaftler vertrauenerweckend erscheinen, und sie dann über Monate und Jahre begleitet. Genauso war es bei den Drehorten. Ich bin dort hingefahren, wo sich die Widersprüche am besten zeigen ließen: wie z.B. die japanische Insel, die als ‚Insel der Natur’ bezeichnet wird, obwohl sie ein großes Müllproblem hat.

… über seine Rolle vor der Kamera
Meine Filme sind meine persönliche Suche nach Antworten. Dadurch spielt die Person Werner Boote eine Rolle, und wenn man dann eine investigative Dokumentation macht, kommt immer gleich die Frage, ob das so ein Film wie von Michael Moore ist. Dann sage ich immer: „Um Gottes Willen”. Das Ganze ist eigentlich nichts anderes als meine persönliche Reise oder Suche. Ich mache keine Propaganda in der Art: „Hallo, ich sage euch jetzt, wie die Welt funktioniert”. PLASTIC PLANET ist ein Film geworden, der mich überallhin begleitet hat, während ich versuchte herauszufinden, wie’s ausschaut mit unserem Plastik Planeten.

…über Probleme während der Dreharbeiten
Die größten Schwierigkeiten mit den Big Playern der Kunststoffindustrie in Kontakt zu kommen, waren, dass die nicht daran interessiert sind, dass über sie berichtet wird. Selbst die größte amerikanische Sendung „60 Minutes” hat den Boss der Kunststoffindustrie nie vor die Kamera bekommen. Wir haben 18 Monate gedrängt, ein Interview mit dem Präsidenten von PlasticsEurope zu bekommen. 18 Monate kann kein Fernsehsender zeitlich durchhalten. Beim Aufeinandertreffen mit den Interviewpartnern war das Vertrauen aber immer sehr schnell da, weil mein Vater in der Kunststoffindustrie gearbeitet hat. Daher bin ich quasi ein Freund und komme aus der Familie. Deswegen hat man mit mir sehr locker geredet. Aber sobald man kritische Fragen stellt, kriegt man ausweichende Antworten.
Die größte Herausforderung in der Umsetzung des Filmes war, nicht zu tief in die Materie zu gehen, und alle Substanzen genau zu erklären, und andererseits nicht zu oberflächlich zu bleiben.
Es hat einen Moment in der Produktionsphase, innerhalb dieser 10 Jahre, gegeben, wo ich völlig die Nerven verloren habe und mir gedacht habe: „Um Gottes Willen, rund um mich herum ist Gefahr, und niemand weiß es. Bin ich der Einzige? Das ist alles schrecklich!”

... Plastik im Blut
Für den Film hat sich das gesamte Team des Films einem Bluttest unterzogen. Wir wollten wissen, inwieweit das Plastik in unserer alltäglichen Umgebung auch direkt Einzug in unsere Körper gehalten hat und damit unsere Gesundheit beeinträchtigt. Mit einem erstaunlichen Ergebnis: Jeder von uns hatte Plastik-Substanzen wie Bisphenol A, Phtalate und Flammschutzmittel im Blutplasma.

…über die Botschaft an das Publikum von PLASTIC PLANET
Ich würde nicht sagen „Kauft überhaupt kein Plastik mehr”. Das würde nicht funktionieren. Wenn es mir mit dem Film gelingt, die Menschen zum Nachdenken zu bringen, sich zu überlegen, nicht mehr so viel Plastikramsch zu kaufen, dann ist das großartig. Dann haben wir alle schon viel gewonnen. Der Film sagt dem Publikum: „Hallo, werdet ein bisschen aufmerksam in Sachen Kunststoff. Erkundigt euch! Fragt eure Supermarktverkäufer, was dahinter steckt. Fragt, warum auf der Plastikverpackung nicht drauf steht, was da alles für Schadstoffe in mein Essen übergehen können.” Dann muss die Supermarktkette reagieren und sich umstellen, denn es ist EU-Recht, dass der Händler dem Konsumenten Auskunft geben muss, was in den angebotenen Produkten enthalten ist. Das wissen nur die Wenigsten.